9. Februar 2021

Erlaubnisse – ein entscheidender Faktor für mehr Lebensqualität

Befasst du dich mit der Transaktionsanalyse, triffst du früher oder später auf den Begriff „Erlaubnisse“. Eric Berne spricht einerseits von elterlichen Erlaubnissen und andererseits bezeichnet er damit eine therapeutische Intervention.

Welche Bedeutung hat das Thema für dich und für mich – ausserhalb des therapeutischen Kontextes?

Was Erlaubnisse bewirken

Aufgrund seines Erlebens entwickelt jeder Mensch in der Kindheit Überzeugungen über sich selbst, die anderen, das Leben und die Welt. Es trifft Entscheidungen, die ihm nach seiner kindlichen Logik helfen sollen, trotz dieser Überzeugungen einigermassen gut durchs Leben zu kommen.

Dadurch entsteht eine Art Drehbuch, an das sich später auch die erwachsene Person in vielen Situationen unbewusst hält und sich so selbst daran hindert sein Potenzial zu entfalten.

(In der Transaktionsanalyse sprechen wir in diesem Zusammenhang vom Skript – dazu mehr im nächsten Blogartikel.)

Erlaubnisse wirken einschränkenden inneren Überzeugungen entgegen!

Im Gegensatz zu solchen als Verboten und Geboten verinnerlichten Überzeugungen fehlt bei Erlaubnisse der zwingende Charakter. Sie sind als eine Art Lizenz zu verstehen.

Besitzt du einen gültigen Führerausweise? Wenn ja, hast du das Recht, mit dich ans Steuer eines Autos zu setzen und von A nach B zu fahren. Der Führerausweis beinhaltet jedoch keine Verpflichtung diesen Weg tatsächlich mit dem Auto zurückzulegen. Du hast die Freiheit, dich auch für den öffentlichen Verkehr oder das Fahrrad zu entscheiden. Oder du gehst den Weg zu Fuss.

So ähnlich verhält es sich mit Erlaubnissen. Sie vermitteln dir ein Recht, ohne Verpflichtung, es auch auszuüben.

Integrierte Erlaubnis

Angenommen jemand, der nicht Auto fahren kann, findet einen Führerschein irgendwo auf dem Boden. Er ist nun Besitzer eines Führerausweises. Hat er nun die Lizenz, ein Auto zu fahren? Nein, natürlich nicht. Das Ausstellen des Führerscheins ist der Abschluss eines längeren Prozesses. Der Ausweis ist an die Person gekoppelt, welche diesen Prozess durchlaufen hat.

Auch hier gibt es Parallelen zu Erlaubnissen. Falls es zu deinen Grundüberzeugungen gehört, dass du nicht wichtig bist, reicht es in der Regel nicht aus, wenn dir jemand einfach so mal sagt, du seist wichtig. Es braucht oft einen längeren Prozess, der darauf hinausläuft, dass du diese Erlaubnis integrierst und zu einem Teil deiner Identität machst.

Hier möchte ich noch Anfügen, dass es nicht um ein Entweder-oder – integriert oder nicht – geht. Hundertprozentiges Verinnerlichen einer Erlaubnis ist ein zu hohes Ziel. Gelingt es dir jedoch den Grad der Integration einer Erlaubnis zu erhöhen, steigerst du dadurch bereits deine Lebensqualität.

Vier Arten von Erlaubnissen

Auf dem Weg zu einer integrierten Erlaubnis sind meist verschiedene Faktoren im massgebend. Ich sehe vor allem vier Einflussfaktoren, die vier Arten oder Kategorien von Erlaubnissen entsprechen.

1) In der Kindheit erhaltene Erlaubnisse

Du wirst aus deiner Kindheit nicht nur einschränkende Themen mitgenommen haben. Deine Bezugspersonen vermittelten dir damals auch Erlaubnisse – ausgesprochen oder unausgesprochen. Du durftest beispielsweise in Diskussionen deine Meinung äussern oder du durftest draussen mit anderen Kindern spielen. Diese Erlaubnisse sind bereits ein Teil von dir geworden.

2) Erleben erlaubender Atmosphäre

Erlaubnisse müssen nicht zwingend ausgesprochen werden. Oft ist es die Atmosphäre, welche eine erlaubende Wirkung hat. Vielleicht kennst du solche Momente. Du befindest dich in einer Gruppe von Menschen und spürst, dass da Raum für Entwicklung ist. TA-Weiterbildungsgruppen bilden beispielsweise einen guten Rahmen dafür.

3) Erlaubnisse von Vertrauenspersonen

Andere Menschen können dir verbal und nonverbal (idealerweise in einer Kombination von beidem) Erlaubnisse vermitteln. Je mehr Vertrauen du zu dieser Person hast, umso leichter wirst du diese Erlaubnisse annehmen können. Du verleihst ihnen dann die Autorität, dir etwas zu erlauben. Ist diese Autorität mindestens so gross, wie diejenige der inneren Stimme, die dir einschränkende Botschaften einflüstert, wird sich die Erlaubnis in deinem Inneren entfalten können.

4) Autosuggestive Erlaubnisse

Du kannst dir auch selbst Erlaubnisse erteilen. Beispielsweise, indem du dir die entsprechende Erlaubnis immer wieder vergegenwärtigst oder den entsprechenden Satz dir selbst sagst. Es kann auch hilfreich sein, dir Zeit zu nehmen und dich in einer Art Meditation auf die Erlaubnis zu fokussieren. Eine andere Variante ist, diesen Erlaubnissatz zu notieren und ihn irgendwo zu platzieren, wo du ihn häufig siehst.

Integrierte Erlaubnis

Welche Erlaubnis brauchst du?

Weisst du, welche Erlaubnis dir aktuell gerade gut tun würde? Wenn ja, empfehle ich dir eine Strategie, die aus einem Mix der oben beschriebenen Möglichkeiten besteht:

  • Was hast du in deiner Kindheit von deinen Bezugspersonen diesbezüglich bereits erhalten?
  • Welche Menschen sind vertrauens- und glaubwürdig genug, um dir diese Erlaubnis zu vermitteln?
  • Wo gibt es Orte, Gruppen, Situationen in welchen du eine erlaubende Atmosphäre erleben kannst?
  • In welcher Form kannst du dir selbst diese Erlaubnis vermitteln?

Und wenn du erst noch erkunden willst, welche Erlaubnis du derzeit besonders gut brauchen kannst, darfst du das folgende Dokument herunterzuladen. Du findest darauf eine Sammlung von möglichen Erlaubnissen.

Liste mit Erlaubnissen

[ Download ]

Ich schlage dir vor, die Liste durchzugehen und darauf zu achten, welcher Satz dich besonders anspricht. Und du darfst dich durch die aufgelisteten Sätze auch gerne inspirieren lassen, eigene Formulierungen zu finden, die für dich passen.

Übrigens, kennst du meinen Erlaubnis-Generator?
Klicke hier, um ihn zu besuchen!

autor des beitrags

Jürg Bolliger

Lehrender und supervidierender Transaktionsanalytiker TSTA-E, Supervisor und Coach bso / EASC

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