Wir Menschen brauchen Anerkennung – nicht als Luxus, sondern als psychische Grundnahrung.
Der Begründer der Transaktionsanalyse, Eric Berne, sprach in diesem Zusammenhang vom Anerkennungshunger: dem tiefen Bedürfnis, von anderen wahrgenommen, gesehen und beachtet zu werden.
So wie wir körperlich Nahrung brauchen, brauchen wir seelisch Kontakt und Resonanz. Ohne diese Form der Anerkennung verkümmert etwas in uns. Dieses Bedürfnis begleitet uns durch das ganze Leben – in Beziehungen, im Beruf, in der Familie und im Alltag.
Was sind Strokes?
Die Nahrung für unseren Anerkennungshunger nennt Berne Strokes – ein zentraler Begriff in der Transaktionsanalyse.
Jede Aktion, mit der eine Anerkennung der Gegenwart des anderen verbunden ist.
- Eric Berne
In der Sprache der TA bezeichnet man jede Handlung, mit der jemand anders zur Kenntnis genommen, d. h. seine Existenz anerkannt wird, als Stroke.
- Ian Stewart & Vann Joines

Bedingt oder bedingungslos?
In der Transaktionsanalyse wird unter anderem zwischen bedingungslosen und bedingten Strokes unterschieden:
Bedingte Strokes beziehen sich auf das Tun – also auf ein konkretes Verhalten, eine Leistung oder eine Handlung.
Bedingungslose Strokes beziehen sich auf das Sein eines Menschen – unabhängig von seinem Verhalten.

Foto: Efren Barahona - Unsplash
Bedingte und positive, bedingungslose Strokes sind wichtige Formen der Anerkennung. Letztere haben großen Einfluss auf unser Selbstwertgefühl, weil sie unser Grundgefühl von Ich bin okay stärken. Negative, bedingungslose Strokes hingegen können dieses Grundgefühl tief erschüttern – besonders, wenn sie wiederholt auftreten.
Was sind Stroke-Trübungen?
Im Alltag verschwimmt die klare Unterscheidung zwischen Tun und Sein oft.
Ich nenne das Stroke-Trübungen – ein Begriff, mit dem ich beschreibe, wie Anerkennung manchmal verzerrt wirkt oder falsch „verbucht“ wird.
Stroke-Trübungen entstehen, wenn ein eigentlich bedingter Stroke als bedingungslos empfunden wird – oder umgekehrt.
Ein Beispiel:
Jemand kritisiert mein Verhalten in einem Meeting.
Tatsächlich sagt er:
„Ich fand deinen Vorschlag nicht hilfreich.“
Ich höre aber (getrübt):
„Ich bin nicht hilfreich. Ich bin nichts wert.“
Oder umgekehrt beim Geben von Strokes:
Ich sage zu jemandem: „Du bist blöd.“
Gemeint war: „Dein Verhalten gerade fand ich unpassend.“
Warum es sich lohnt, zu ent-trüben
Stroke-Trübungen führen häufig zu Missverständnissen, emotionaler Verunsicherung – und vor allem: Sie können unser Selbstwertgefühl nachhaltig beeinträchtigen.
Wenn Kritik an unserem Verhalten unbewusst als Ablehnung unserer Person gedeutet wird, kann das innere Selbstbilder erschüttern:
Ich bin nicht okay. Ich bin nicht gut genug.
Solche Erfahrungen hinterlassen Spuren – vor allem, wenn sie sich wiederholen oder aus früheren Beziehungserfahrungen vertraut sind.
Auch umgekehrt kann es passieren, dass wir anderen unbeabsichtigt das Gefühl vermitteln, als Mensch abgelehnt zu werden, obwohl wir nur ein bestimmtes Verhalten meinen. Das kann Vertrauen verletzen, Beziehungen belasten – und den Selbstwert der anderen schwächen.
Deshalb lohnt es sich, innezuhalten und genauer hinzuschauen:
Beim Empfangen von Strokes:
Was genau wurde gesagt? Ging es wirklich um mich als Person oder um mein Verhalten?
Beim Geben von Strokes:
Wie gelingt es mir Kritik an einer Handlung oder einem Verhalten auszudrücken, ohne den Menschen abzulehnen?
Klarheit im Umgang mit Strokes ist ein Schlüssel zur Stärkung des Selbstwertes – bei uns selbst und bei anderen.
Sie ermöglicht, dass Anerkennung so ankommt, wo sie gemeint ist – und schützt vor unnötigen inneren Verletzungen.
Fazit: Klarheit statt Verunsicherung
Wir alle sind auf Anerkennung angewiesen. Wenn wir lernen, zwischen bedingten und bedingungslosen Strokes zu unterscheiden – und Stroke-Trübungen zu erkennen –, können wir uns selbst und anderen besser gerecht werden. Das schafft Klarheit, stärkt das Selbstwertgefühl und fördert ein respektvolles Miteinander.


Danke, dass du dieses wo wichtige Thema hier näher beschrieben hast.
Vielen Dank, liebe Vera. Das Thema beschäftigt mich schon lange, jetzt habe ich es endlich mal in einen Beitrag gepackt.
Danke lieber Jürg, für diesen Beitrag. So hinzuschauen verschafft mir Klarheit, warum ich beim Empfangen oder Geben eines Strokes manchmal Irritationen wahrnehme.
Liebe Tomke, vielen Dank für deinen Kommentar – wie schön, dass der Beitrag dir mehr Klarheit verschafft hat! Die feinen Irritationen bewusst wahrzunehmen ist oft schon ein erster wichtiger Schritt.
Herzliche Grüsse
Jürg