Schreibe einen Roman – jetzt

Workshop am 35. DGTA Kongress
11. Mai 2014, Dresden

Hast du schon einmal die Idee gehabt, ein Buch zu schreiben? In meinem Workshop in Dresden bin ich der Frage nachgegangen, was uns beim Vorhaben, ein Buch zu schreiben, hindern kann. Wie diese Hindernisse überbrückt werden können, habe ich mit den Brücken der Kreativität aufgezeigt. Weiter habe ich im Workshop einige praktische Hinweise zum Schreiben von Geschichten und Romanen gegeben und die Teilnehmenden angeregt, diese gleich umzusetzen.

Brücken der Kreativität

Beim Schreiben eines Buches (oder einer Kurzgeschichte) durchläufst du einen Prozess, den ich in fünf Phasen aufteile:

  1. Idee: Vorhaben, erste Gedanken
  2. Vorbereitung: Entwurf der Handlung (Plot), Person(en), Recherche
  3. Umsetzung: das eigentliche Schreiben
  4. Überprüfung: Überarbeitung, Korrekturen
  5. Abschluss: Veröffentlichung

Brücken der KreativitätWas hindert dich daran, von einer Phase zur nächsten zu gelangen? Der Weg kann von Antreibern (z.B. „Erst wenn mein Text perfekt ist, kann ich ihn jemandem zum Lesen geben!“) oder Discounts (z.B. „Ich kann nicht!“ oder „Ich habe keine Zeit!“) beeinträchtigt werden.

Diese Hindernisse können mit Brücken überwunden werden, die aus zwei Teilen bestehen: Strokes und Erlaubnis.

Mit dem ersten Teil der Brücke, den Strokes, würdigst du das bereits Erreichte. Dabei darfst du dich selbst stroken und auch Strokes von anderen abholen. Der zweite Teil der Brücke ist nach vorne gerichtet: welche Erlaubnis brauchst du für die nächste Phase. Auch hier kannst du dir diese Erlaubnis selbst geben und sie auch von anderen holen.

Mir scheint wichtig, Schritt für Schritt, Phase für Phase vorwärts zu gehen. Strokes und Erlaubnisse dienen nur dann als Brücke, wenn sie eine Antwort auf die aktuell aktiven Antreiber und Discounts sind.

Praktische Hinweise

Aus zeitlichen Gründen habe ich mich im Workshop auf ein paar Hinweise beschränkt. Ausführlichere Anregungen findest du im Buch Von der Idee zum fertigen Text von Mara Laue.

Person(en)

Es lohnt sich, die (Haupt-) Personen möglichst konkret zu entwickeln: Name, Personalien, Beruf, Herkunft, Eigenschaften usw.

Je länger die Geschichte und je bedeutender die Person in der Geschichte ist, umso detaillierter wird die Vorbereitung ausfallen. Es ist beispielsweise hilfreich, wenn du den Protagonisten eines Romans für dich vorgängig sehr genau beschreibst. Viele Autoren und Autorinnen legen mehrseitige Personalakten an, bevor sie mit dem Schreiben eines neuen Romans beginnen.

Mit transaktionsanalytischem Hintergrund ist es interessant, sich über das Skript (Einschärfungen, Antreiber usw.) eines Protagonisten oder einer Protagonistin und dessen Entstehung (Kindheit) Gedanken zu machen. Du erhältst dadurch eine konkrete Vorstellung über diese Person: welches sind ihre Stärken und Schwächen, wie geht sie mit Konflikten und Stress um, wie erlebt sie Beziehungen, was motiviert sie zu bestimmten Handlungen usw.

Vielleicht weist du deiner  Protagonistin oder deinem Protagonisten Skriptthemen zu, die du aus deinem eigenen Leben kennst. So erhält deine Geschichte versteckte autobiografische Anteile. Und durch das Schreiben ist auch ein Stück Verarbeitung  möglich.

Handlung

Für meinen Roman Sei stark! hatte ich keinen Plan. Ich begann zu schreiben und wusste oft selbst nicht, in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt. Die erste Fassung war in dreissig Tagen abgeschlossen. Es bestand dann ein erheblicher Überarbeitungsbedarf, um eine einigermassen logische, in sich stimmige Geschichte zu erhalten. Der Überarbeitungsaufwand kann reduziert werden, wenn die Handlung vorgängig skizziert wird.

Konflikte

Um spannende Geschichten zu entwerfen, braucht es Konflikte. Ob es sich um einen inneren Konflikt oder einen zwischenmenschlichen handelt, spielt dabei keine Rolle. Auch beim Kreieren von Konflikten kann dir die Transaktionsanalyse helfen (Spiele, Dramadreieck, Engpässe, …).

Perspektive

Bezüglich der Sicht, aus der die Geschichte erzählt wird, hast du verschiedene Möglichkeiten:

  • aus Sicht eines allwissenden Erzählers, der in alle beteiligten Personen hineinsieht und weiss, was vorher vorgefallen ist und später geschieht
    → auktoriale Perspektive
  • aus Sicht einer bestimmten Person – in der 1. Person erzählt (ich)
    → Ich-Perspektive
  • aus Sicht einer bestimmten Person – in der 3. Person erzählt (er / sie)
    → personale Perspektive

Die personale Perspektive kann in Romanen auch wechseln. Ein Wechsel sollte für die Leserin oder den Leser durch die Gliederung (z. B. neues Kapitel) klar gemacht werden.

Anfang

Idealerweise ist schon der Anfang eines Buches oder einer Geschichte spannend. Die Neugier der Leserin, des Lesers soll möglichst rasch geweckt werden. Das kannst du erreichen, indem du mitten in einer spannenden Szene beginnst. Dabei brauchst du nicht zu viele Informationen zu geben. Es ist gut, wenn Fragen offen bleiben.

Beispiel (der Anfang meiner Kurzgeschichte Diana):

Im Nachhinein ist mir klar: ich hätte mich niemals auf diese Frau einlassen dürfen. Doch ich habe es getan. Einmal mehr denke ich an diesen denkwürdigen Abend im Juni zurück. Und einmal mehr registriere ich, dass sich das Rad der Zeit nicht zurückdrehen lässt.

Spannung erzeugen

Damit eine Geschichte bis zu Ende gelesen wird, braucht es Spannung. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese Spannung zu erzeugen. Eine der häufigsten ist der Cliffhanger. Eine Szene wird dabei abrupt unterbrochen. Es folgt eine andere Szene und erst später geht es dort weiter, wo unterbrochen wurde.

Beispiel (aus Sei stark!):

Im selben Augenblick hörte er Anjas Stimme, flüsternd aber eindringlich:
„Achtung, da kommt jemand!“
Sie fiel Leo um den Hals, vermutlich um die Liebespaar-Nummer durchzuziehen. Für ihn war das zu viel. Es fehlte ihm an der nötigen Spontanität, um diese Rolle spielen zu können. Er saß steif da und starrte geradeaus. Er spürte nichts, weder Anja, die an ihm hing noch seinen Körper.
Die Tür des Wagens wurde geöffnet. Leo war immer noch wie versteinert. Bevor er seinen Kopf drehen konnte, erhielt er einen Schlag auf den Schädel.

* * *

Sie drückte dem Mann die Pistole in die Hand und zog ihre Handschuhe aus.
„Ihr wisst, was ihr zu tun habt?“
Ihre scharfe Stimme verriet, dass es sich eher um einen Befehl als um eine Frage handelte.
„Alles klar“, meinte er und verschwand in der Dunkelheit.

* * *

Sonntagmorgen. Sein Kopf schmerzte, als wolle er gleich platzen. Leo war soeben aufgewacht. Alles um ihn herum war verschwommen. Wo war er? Was war geschehen?

In diesem Beispiel sind gleich zwei Cliffhanger eigebaut. Bei den Sternen wird die Szene gewechselt. Weiter zeigt das Beispiel eine zweite Möglichkeit, Spannung zu erzeugen: ich habe dem Leser, der Leserin die Informationen vorenthalten, was zwischen dem ersten Teil und der Fortsetzung im dritten Teil geschieht. Erst im weiteren Verlauf das Buches habe ich das aufgelöst.

Um weitere Ideen zu erhalten, kannst du spannende Bücher dahingehend untersuchen, wie die Autoren Spannung erzeugt haben.

Zeigen statt berichten

Wenn der Text einem Polizeibericht ähnelt, ist es schwierig, Leserinnen und Leser in die Geschichte einzubinden, sie zu packen. Daher ist es gut, wenn etwas gezeigt wird und nicht bloss darüber berichtet.

Im Roman Sei stark! gibt es eine Szene, in der Leo und Anja in einer Hütte eingeschlossen wurden. Als “Bericht” hätte die Passage so ausgesehen:

Leo und Anja befanden sich in einem Raum. Die Fläche des Raum betrug etwa vier Quadratmeter. In der Mitte befand sich eine chemische Toilette. Die Tür war verschlossen.

Und so habe ich die Szene im Buch “gezeigt”:

Um etwas Platz zu machen, schob Leo die chemische Toilette in eine Ecke der ungefähr vier Quadratmeter und setzte sich daneben auf den Boden. Anja hämmerte mit beiden Fäusten energisch gegen die verschlossene Tür und schrie hysterisch.

Wissen vermitteln

Ein Roman ist kein Fachbuch, eine Kurzgeschichte kein Fachartikel. Leserinnen und Leser wollen nicht belehrt werden. Es gibt trotzdem Möglichkeiten, wie du auch in einem Roman oder einer Geschichte, Wissen vermitteln kannst.

Wer Personen und Konflikten Themen aus der Transaktionsanalyse zugrunde legt, vermittelt indirekt Wissen. Eine direktere Form ist, wenn du Informationen in Dialoge verpackst.

Beispiel (aus Sei stark!):

„Was ist Angst?“
Anja sah ihn überrascht an. Sie überlegte eine Weile bevor sie antwortete:
„Ich habe mal gelesen, dass Angst das Gefühl ist, das uns vor Gefahren schützt.“
Sie machte eine kurze Pause.
„Stell dir vor, du bist alleine irgendwo draußen. Jetzt taucht da ein wilder Löwe auf und rennt mit fletschenden Zähnen auf dich zu. Da hättest du vermutlich Angst …“
„Vermutlich.“
„… und diese Angst würde Kräfte in dir freisetzen. Du würdest fliehen, bevor dein Verstand die Situation analysiert hätte.“
Leo überlegte. Was hätte sein Vater in einer solchen Situation getan?

Veröffentlichung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine kürzere oder längere Geschichte zu veröffentlichen. Hier sind ein paar Ideen.

Blog
In Form eines Blogs kannst du Texte potentiellen Leserinnen und Lesern online zur Verfügung stellen. Es gibt kostenlose Möglichkeiten, Blogs zu erstellen, z. B. WordPress: de.wordpress.com

Verlag
Willst du ein Buch über einen Verlag veröffentlichen, brauchst du Geduld. Verlage benötigen meist viel Zeit, um ein Manuskript zu prüfen. Da Verlage ein Buch nur aufnehmen, wenn sie überzeugt davon sind und auch die Kapazität dazu haben, ist  Ausdauer und auch ein bisschen Glück gefragt. Wichtig ist, auf der Internetseite des Verlags nachzulesen, was neue Autorinnen und Autoren genau einzureichen haben und in welcher Form das geschehen soll.

Books on Demand (BOD)
Willst du ein Buch veröffentlichen und hast nicht das primäre Ziel, viel Geld damit zu verdienen, kannst das das über BOD tun. Für verhältnismässig wenig Geld, wird dein Buch aufgenommen. Es erhält eine ISBN-Nummer und kann dann im Buchhandel bestellt werden. BOD druckt immer nur soviele Exemplare, wie bestellt werden. Es fallen somit keine Lagerkosten an. Allerdings bewirbt BOD Bücher auch nicht aktiv.
www.bod.de
www.bod.ch

Und jetzt…

… wünsche ich dir gutes Schreiben und freue mich auf Rückmeldungen und neue Geschichten und Bücher.

 

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