Wie du inneren Stress vermeiden kannst

Wie du es inneren Stress vermeiden kannst

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Nicht die Menge der Arbeit verursacht den alltäglichen Stress, sondern der Mensch, der dich ihretwegen kritisiert und unter Druck setzt.
Zugegeben: Manchmal bist du selbst dieser Mensch.

Peter Hohl

Hat Peter Hohl recht? Ich meine: ja. Vor allem, was er da am Schluss noch anhängt, ist äußerst bedeutungsvoll. Stress ist sehr oft eine innere Angelegenheit und hat nur bedingt mit Druck von außen zu tun.

Der innere Stressmechanismus

Auseinandersetzungen, Konflikte oder andere schwierige Situationen lösen sehr oft inneren Stress aus. Du setzt dich in diesen Situationen unbewusst selbst unter Druck. Das wirkt sich hemmend oder gar blockierend aus, wenn es darum geht, Lösungen für die aktuelle Situation zu finden.

Belastende Situationen können dazu führen, dass du dich nicht mehr wertvoll fühlst. Es melden sich innere Stimmen, die dir einreden, du seist nicht in Ordnung. Diese Stimmen stammen irgendwoher aus deiner Vergangenheit. Da es nicht so toll ist, nicht in Ordnung zu sein, hast du dir im Laufe der Zeit unbewusst Strategien für solche Momente entwickelt.

Diese Strategien funktionieren nach einer Art Formel: „Ich wäre wieder in Ordnung, wenn …“ Dein Selbstwert-Empfinden wird an eine Bedingung geknüpft. Die Folge ist mehr Stress, da du nun noch diese innere Forderung erfüllen „musst“. Und da dies selten zu 100% gelingt, ist das ein wahrer Teufelskreis.

Die Krux bei der Sache ist, dass du dir in der Regel nicht bewusst bist, was da abläuft. Die Strategien laufen automatisch ab. Das Einzige, das du wahrnimmst, ist das Resultat: noch mehr Stress, noch mehr Unbehagen.

Um solche inneren Programme zu unterbrechen, ist es gut, die eigenen Stress­mechanismen zu kennen. Es gibt fünf Arten davon. Sie unterscheiden sich durch die Bedingung von welcher du dein In-Ordnung-Sein abhängig machst. Da einem diese Bedingungen in Situationen regelrecht antreiben, werden sie und damit auch die Stressmuster in der Transaktionsanalyse als Antreiber bezeichnet.

Antreiber

Die fünf Antreiber

Alle inneren Antreiber haben Auswirkungen auf dein Verhalten und deine Ausdrucksweise. Und alle können auf andere Menschen eine ansteckende Wirkung haben. Dadurch stresst du dich nicht nur selbst, sondern belastest auch den Kontakt zu anderen.

Mache es anderen recht!

Du empfindest dich nur in Ordnung, wenn du es anderen recht machst. Wenn dieser Antreiber aktiv ist, dann ist es dir wichtig, dass die anderen mit dir zufrieden sind. Du erlaubst dir nicht zu widersprechen oder deine Meinung kundzutun. Deine Bedürfnisse und deine Ziele haben keine Bedeutung.

Sei perfekt!

Du empfindest dich nur in Ordnung, wenn du alles perfekt machst. Fehler sind nicht erlaubt, solange der Perfekt-Antreiber aktiv ist. Du achtest penibel auf jedes Detail und hast den Anspruch, dich anderen als absolut perfekt zu präsentieren.

Sei stark!

Du empfindest dich nur in Ordnung, wenn du stark bist. Wenn dieses Muster läuft, erlaubst du dir nicht Schwäche zu zeigen oder Hilfe anzunehmen. Auch Gefühle sind in solchen Momenten tabu.

Streng dich an!

Du empfindest dich nur in Ordnung, wenn du dich anstrengst. Unter diesem Antreiber muss alles, was du machst anstrengend und mühsam sein. Es ist nicht so wichtig, ein Ziel zu erreichen, sondern alles und noch ein bisschen mehr zu geben.

Beeile dich!

Du empfindest dich nur in Ordnung, , wenn du dich beeilst. Ist dieser Antreiber aktiv, dann muss alles schnell gehen. Du handelst und sprichst schnell. Hektik ist angesagt.

Lieblingsantreiber

Vielleicht hast du dich beim einen oder anderen wiedererkannt. Das ist gut. Wir alle haben einen oder zwei „Lieblingsantreiber“. Diese werden besonders rasch und besonders häufig aktiv, wenn etwas nicht rund läuft. Kennst du deine(n) „Lieblingsantreiber“, wirst du leichter feststellen, wenn er aktiv ist. Und das ist der erste und wichtigste Schritt, wenn es darum geht, diese Muster zu entkräften.

Umgang mit Antreibern

Hier ein paar Anregungen, wie du mit deinem „Lieblingsantreiber“ umgehen und somit inneren Stress reduzieren kannst.

▶ Lerne deinen „Lieblingsantreiber“ kennen

Wie oben erwähnt ist es schon mal sehr hilfreich, wenn du deine Strategien kennst, mit denen du dich innerlich stresst. Je besser du weißt, wie sich der Antreiber bei dir konkret zeigt (Verhalten, Sprechweise, Körperhaltung, Gefühle usw.), umso eher wirst du ihn erkennen, wenn er aktiv wird. Beobachte dich selbst. Frage Menschen, die dich gut kennen und zu denen du Vertrauen hast.

▶ Betrachte dich als wertvoll, unabhängig von deinem Verhalten

Mache dir immer wieder klar, dass dein Wert nicht von deinem Verhalten und deiner Leistung abhängig ist. Auch wenn es nicht rund läuft, bist du wertvoll. Vielleicht klebst du Notizzettel an Orte, wo du sie immer wieder siehst, oder schreibst es auf deinen Badezimmerspiegel: „Ich bin wertvoll!“ Eine Frage, die du dir auch stellen kannst: welche Menschen in deinem Umfeld mögen dich so wie du bist, ohne dass du etwas leisten musst? Verbringe Zeit mit ihnen. Auch das wird dein „Ok“-Bewusstsein stärken. Und je stärker es wird, umso weniger wird es dich verunsichern, wenn etwas nicht rund läuft.

▶ Gib dir Erlaubnisse

Stellst du fest, dass ein Antreiber aktiv ist, erlaube dir, ihn nicht zu 100% zu befolgen – 80% reicht auch. Versuche nicht, den ganzen Antreiber über Bord zu werfen. Das funktioniert nicht. Ist bei dir beispielsweise „Sei perfekt!“ aktiv, dann mache das, was du gerade tust, so genau wie möglich und erlaube dir den einen oder anderen Fehler zu machen. Das heißt nicht, dass du absichtlich Fehler einbauen sollst. Sollte sich jedoch der eine oder andere eingeschlichen haben, ist das auch in Ordnung. Und du bleibst „ok“.

▶ Lerne die Ressourcen deines „Lieblingsantreibers“ schätzen

Was die Antreiber fordern ist nicht grundsätzlich schlecht. So spricht beispielsweise nichts dagegen, perfekte Arbeit zu leisten oder sich anzustrengen. Problematisch wird es erst, wenn du deinen Wert, dein In-Ordnung-Sein von der Einhaltung der Antreiber-Forderung abhängig machst. Erst dann wird es zum Stress.

Schaue also den Antreiber nicht generell als eine Art Feind an, sondern überlege dir auch, welche Stärken du im Zusammenhang damit entwickelt hast. Als Anregung dazu findest du nachfolgend Beispiele für jeden Antreiber.

Ressourcen

  • Mache es anderen recht!
    ➡ Einfühlungsvermögen, Hilfsbereitschaft, …
  • Sei perfekt!
    ➡ Genauigkeit, Präzision, …
  • Sei stark!
    ➡ Ausgeglichenheit, Standfestigkeit, …
  • Streng dich an!
    ➡ Durchhaltevermögen, Leistungsbereitschaft, …
  • Beeile dich!
    ➡ Leistungsfähigkeit, Effizienz, …
  • 5. April 2019
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